Das wohl markanteste Merkmal des Juni als Retreat-Monat ist das Licht. Die Tage sind am längsten, und die besondere Qualität dieses Lichts – das sanfte Gold des frühen Morgens, das harte Weiß des Mittags, der außergewöhnlich langsame Übergang von Bernstein zu Rosa, der gegen 19 Uhr beginnt und zwei Stunden dauert – schafft einen Tagesrhythmus, der zu keiner anderen Jahreszeit so leicht zu finden ist. Retreat-Programme, die sich um dieses Licht herum gestalten, anstatt nur darin stattzufinden, gehören zu den unvergesslichsten Erlebnissen im italienischen Kalender: die Sonnenaufgangs-Session um halb sechs auf einer Hügelterrasse, der lange meditative Spaziergang in der Abendwärme, das Abendessen im Freien, das sich bis zur Dunkelheit um 22 Uhr hinzieht.
Das Klima im Juni ist regional deutlicher ausgeprägt als in jedem anderen Sommermonat. Im Norden – an den italienischen Seen, in den Dolomiten und im venezianischen Vorgebirge – liegen die Temperaturen im Juni zwischen 22 und 27 Grad und sind den ganzen Tag über angenehm für Übungen im Freien. Die Nachmittage sind warm, ohne drückend zu sein, die Abende sind perfekt, und die gelegentlichen Gewitter, die im Juni häufiger als im Juli von den Bergen ausgehen, verleihen der Landschaft eine dramatische Note, die Praktizierende, die bei einem Retreat auf vorhersehbaren Komfort Wert legen, unerwartet begrüßen werden. In Mittelitalien, in der Toskana und in Umbrien, werden Mitte des Monats 25 bis 30 Grad gemessen, was den Tagesablauf verändert – Morgenübung vor acht Uhr, Nachmittagsruhe, Abendsitzung –, aber Übungen im Freien nicht unmöglich macht. Im Süden und auf den Inseln ist es im Juni bereits richtig heiß, in Apulien und Sizilien werden in der zweiten Monatshälfte 32 bis 35 Grad erreicht, und die Retreat-Programme haben ihre Abläufe dem Klima angepasst, anstatt es zu ignorieren.
Juni gilt zwar offiziell als Hochsaison, was sich auch in den Preisen widerspiegelt, doch die Besucherzahlen in den meisten Urlaubsregionen sind deutlich niedriger als im Juli und August. In weiten Teilen Europas haben die Sommerferien noch nicht begonnen, was bedeutet, dass die italienische Landschaft, die Hügelstädte Umbriens, die ruhigeren Buchten Sardiniens und die Bergorte der Dolomiten zwar gut besucht, aber nicht überlaufen sind. Die Situation ändert sich jedoch schlagartig nach der letzten Juniwoche, wenn die italienischen Schulen schließen und sich das Land auf die Sommerferien einstellt. Ein Urlaub, der vor dem 25. Juni endet, findet in einem anderen Italien statt als einer, der danach beginnt.