Menschen, die an Retreats teilgenommen haben, beschreiben oft ein bestimmtes Gefühl in den Tagen nach ihrer Rückkehr: eine gewisse Leere, eine leichte Desorientierung, manchmal eine unterschwellige Traurigkeit, die zwei oder drei Tage nach der Rückkehr einsetzt. Lehrer und Begleiter nennen dies manchmal den “Post-Retreat-Einbruch”, und es ist wichtig, ihn zu verstehen, anstatt dagegen anzukämpfen.
Das Geschehen ist teilweise neurologisch bedingt. Der Rückzug hat das Nervensystem in Richtung parasympathischer Dominanz – dem Ruhe- und Erholungsmodus – verschoben. Die Rückkehr in eine Umgebung voller Anforderungen, Lärm und sozialer Komplexität reaktiviert das sympathische Nervensystem. Der Kontrast zwischen den beiden Zuständen fühlt sich wie ein Verlust an.
Es hat auch psychologische Gründe. Die Klarheit, die sich aus echter Stille und reduzierter Reizüberflutung ergibt, ermöglicht es, das eigene Leben genauer zu betrachten – auch Dinge, die man lieber nicht sehen möchte. Die Hektik des Alltags bietet Schutz, den eine Auszeit ablegt. Nach dem Blick hinter die Kulissen in die Hektik zurückzukehren, kann sich wie ein Rückschritt anfühlen.
Die hilfreiche Sichtweise ist, dass der Rückgang ein Zeichen dafür ist, dass die Auszeit erfolgreich war, nicht dass sie gescheitert ist. Das Nervensystem hatte sich tatsächlich verändert. Die Aufgabe besteht nun nicht darin, das exakte Gefühl der Auszeit wiederherzustellen, sondern Bedingungen zu schaffen, die es ermöglichen, dass eine ähnliche Wirkung anhält.